Klappernde Scheuchen lassen den Rehmüttern den Schrecken in die Glieder fahren und veranlassen sie, ihre Kitze aus der Wiese zu holen.

Mit ihrem Flatterhaar beeindruckt diese freundliche Scheuche die Rehe mit Sicherheit.

Teamarbeit beim Wildscheuchenwettbewerb zum Kinderfest

Die drei Geschwister sind richtig stolz auf ihr Kunstwerk.

Viele Familien hatten sichtlich Spaß beim gemeinsamen Gestalten der Scheuchen

Die Wildscheuchen

Das Wildschutz-Team hat entschieden, alle Teilnehmer mit einer Reitstunde zu belohnen.

Scheuchenwettbewerb 2015 - Kinder retten Kitze

Sie heißen Klara, Trude, Fräulein Dreizehn und Oma Nette. Ihre lachenden Gesichter und langen bunten Kleider sind weithin sichtbar. Die Dosen, Stöcke und Blumentöpfe an ihren Armen klappern und ihre Haare flattern im leichten Wind, der auf dem Gelände des ehemaligen Elisabethbades weht. Die vier auffälligen Damen gehören zu einer stattlichen Zahl von Wildscheuchen, die im Rahmen des diesjährigen Wildscheuchenwettbewerbs des Landguts auf dem Kinderfest in Liebstadt entstehen.

Die achtjährige Miriam stopft sorgfältig Stroh in einen rüschenbesetzten Hemdsärmel und behängt ihn anschließend mit Kastanienketten. Dann hilft sie den beiden Jungs nebenan dabei, eine Strumpfhose mit Stroh zu füllen und so in einen ansehnlichen Kopf zu verwandeln. Sie bauen einen richtig gefährlichen Krieger. Über seinem weißen Hemd trägt er einen grünen Mantel und mehrere Gurte, in denen selbst gebaute Pappschwerter stecken. Ein schauerliches Gesicht mit Dreitagebart darf nicht fehlen. Das bekommt er mit Filzstiften aufgemalt.

Immer mehr Kinder schließen sich an. Die Kleineren bekommen Hilfe von Anna und Sophie, die gerade ihr Freiwilliges Ökologisches Jahr am Landgut absolvieren. Auch die Eltern dürfen helfen und haben dabei sichtlich ebenso viel Spaß wie der Nachwuchs. So wächst die bunte Schar. Eine freundliche Kräuterhexe entsteht, ein lachender manns- hoher Hase und ein mysteriöser Typ mit Basecap und Sonnenbrille gesellen sich dazu.

Neben aller Begeisterung beim Bau der Figuren ist den jungen Gestaltern eines klar: Hier geht es nicht um Selbstzweck. Die Heuernte steht kurz bevor und für viele in diesem Jahr geborenen Rehkitze bedeutet das ein hohes Risiko, bei der Mahd verletzt oder getötet zu werden. Die Ricken legen ihre Jungtiere im hohen Gras ab und diese bleiben auch bei Gefahr ganz ruhig am Boden liegen. Da die Kitze nahezu geruchlos sind, werden sie so für Beutegreifer im Prinzip unsichtbar. Bei der Mahd wird ihnen dieses Schutzverhalten jedoch zum Verhängnis.
Bärbel Kemper stopft eine Wildscheuche mit Stroh aus

Diese jährlich wiederkehrende Problematik beschäftigt auch Bärbel Kemper, die als Betriebsinhaberin für die Bewirtschaftung der Grünflächen am Landgut Kemper & Schlomski verantwortlich ist. Es genügt nicht, die Wiesen vor der Mahd abzusuchen, denn die Kitze sind nur sehr schwer zu sehen. Abhilfe können Wildscheuchen schaffen, welche maximal zwei Tage vor der Mahd in den Flächen aufgestellt werden. Ihr Rascheln, Wedeln und Klappern in Kombination mit Menschengeruch beunruhigt die Geißen und veranlasst sie dazu, ihr Kitze aus der Wiese zu holen. Eine recht einfache Methode, mit der man gute Resultate erzielt.
Als am LGKS zum ersten mal Scheuchen gebaut werden sollten, waren einfache Stangen mit Besen, Säcken und Flatterbändern geplant. Was die jungen und offensichtlich kreativen Mitarbeiterinnen später in die Grünflächen stellten, waren skurrile Gestalten, eine lustiger und fantasievoller als die andere. In diesem Jahr wurde vermehrt Wert auf die Verwendung von Naturmaterial und Reststoffen gelegt. So spendeten viele Freunde und Nachbarn alte Kleidungsstücke und sammelten Blechdosen. Das Holz für das Grundgerüst der Scheuchen wurde großzügig vom Sponsor des Landgutes, der Zimmerei Hellinger in Oelsen, zur Verfügung gestellt.
Diesmal fiel das Datum genau mit dem Kinderfest im ehemaligen Elisabethbad zusammen. Das Landgut-Team plante kurzerhand um und verlegte die Veranstaltung von Großröhrsdorf nach Liebstadt. Die Botschaft, die Bärbel Kemper, Kerstin Heyne und die beiden FÖJlerinnen Anna und Sophie mitbringen, ist einfach: Jeder kann etwas tun für den Wildschutz. Und es macht sogar richtig viel Spaß.

Die Resonanz zu unserem Wildscheuchenwettbewerb am letzten Mai-Wochenende war überwältigend. Enthusiastische Liebstädter Kinder und Jugendliche gestalteten allein oder im Team mit ihren Familien die lustigsten, elegantesten und originellsten Scheuchen im ganzen Landkreis. Das Ziel: Rehkitze schützen. Die Scheuchen haben in den letzten Wochen bei der Heuernte auf den Wiesen des Landgutes bereits ganze Arbeit geleistet und es wurde kein Kitz vermäht.
Unsere Fjordpferde haben sich längst an die merkwürdigen Gestalten gewöhnt und das Team des LGKS war vom Einsatz der Kinder und Jugendlichen so begeistert, dass spontan beschlossen wurde, alle Teilnehmer zum Ponyreiten einzuladen. In den ersten zwei Ferienwochen freuen sich unsere Fjordpferde auf den Besuch der fleißigen Wildretter. Je nach Alter und Vorkenntnissen gibt es dann eine Reit-bzw. Longenstunde, oder geführtes Ponyreiten über die Wiesen am Landgut.